Nähen mit Kindern

Kinder sind uns in Vielem voraus. Auch beim Nähen ist das mitunter so. Zwar müssen sie Handgriffe und Fertigkeiten ebenso erlernen wie wir, sie gehen aber unbefangener ans Werk. So habe ich es in vielen Nähkursjahren immer wieder erlebt. Kinder die zu mir in den Kurs gekommen sind, hatten meist eine sehr genaue Vorstellung davon, was sie nähen möchten. Oder anders: sie wussten genau, wie das fertige Produkt später sein soll. Sie haben sich nicht darum gesorgt, ob sie das schaffen können, ob der teure Stoff vielleicht verschnitten werden könnte, ob ihnen das Kleid am Ende steht oder andere Überlegungen die uns Große manchmal hemmen in dem, was wir gerne tun. Kinder denken nicht alles durch, sie tun es einfach und machen Erfahrungen. Eine großartige Art und Weise an ein Handwerk wie das Nähen heranzugehen. Denn erst so entsteht überhaupt ein kreativer Prozess.

Ich habe in den Jahren meiner Nähkurstätigkeit festgestellt, dass im Zusammenhang mit dem Thema "Kinder an der Nähmaschine" häufig die gleichen Fragen im Raum standen. Daher möchte ich meine Erfahrungen hier zusammen tragen.

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Wie alt müssen Kinder mindestens sein um Nähen zu lernen?

Hier gibt es natürlich keine pauschale Antwort, denn Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Meine Empfehlung liegt bei mindestens 8 bis 10 Jahren. Kinder dieses Alters können sich meist schon gut konzentrieren und kleinere Aufträge auch selbstständig nach Anleitung durchführen. Sie sind motorisch sicher genug und können bereits mit der Schere umgehen.


Brauchen wir eine spezielle Nähmaschine für Kinder?

Es gibt keinen Grund, der für eine solche Kindermaschine spricht aber viele Gründe dagegen. Die Annahme ist oft, dass eine solche Kindermaschine leichter zu bedienen sei, was nicht der Fall ist. Im Gegenteil ist die Funktionsweise leider oft eingeschränkt, was zu einem schlechten Nähergebnis führt und letztlich den Spaß an der Sache verdirbt. Auch sind diese Maschinen nicht sicherer im Umgang als eine normale Haushaltsnähmaschine.


Welche Nähmaschine eignet sich für den Anfang?

Jede gut gewartete Haushaltsnähmaschine mit der auch erwachsene NäherInnen zurecht kommen, ist auch für Kinder geeignet. Wichtig ist, dass eine Person vertraut im Umgang mit der Maschine ist und die Bedienung erklären kann. Dann gibt es auch keinen Frust. Außerdem muss natürlich auf die Sicherheit geachtet werden. Kinder müssen lernen, wie sie sich an der Nähmaschine verhalten sollen, damit sie sich nicht verletzen. Hierzu ist unser Blogpost 5 Regeln zur Sicherheit an der Nähmaschine interessant. 

Empfehlenswert ist, zusätzlich einen Fingerschutz vor der Nadel anzubringen. Dies ist ein gebogener Draht, der wie ein kleines Geländer vor dem Griff in die Nadel schützt. Der Fingerschutz kann als Ersatzteil gekauft und vor jeden Nähfuß geschraubt werden.

Es gibt Maschinen, deren Nähgeschwindigkeit vorab eingestellt werden kann. Für Anfänger ist das eine tolle Sache. Meist stellt sich das Gefühl für die Nähgeschwindigkeit aber sehr schnell bei der Näherin ein und dieses Gimmik ist nur zu Beginn interessant.


Welches Projekt eignet sich für den Anfang?

Toll für erste Übungseinheiten ist es, mit farbigem Garn auf Papier zu nähen. So können verschiedene Stiche ausprobiert werden, ebenso wie das Rückwärtsnähen und das Wenden des Nähguts. Außerdem kann die Geschwindigkeit mühelos ausprbiert werden und es stellt sich ein erstes Gefühl für die Maschine ein.

Wenn es an das erste Projekt aus Stoff gehen soll, empfehle ich eine Kissenhülle, eine Beuteltasche oder einen Loopschal zu nähen. Diese Projekte haben gerade Nähte und sind nicht so zeitaufwändig. Denn wichtig ist beim Nähen mit Kindern, die Kurzweiligkeit. Natürlich können auch aufwändigere Projekte entstehen, aber zu Beginn ist es motivierend, wenn recht schnell ein fertiges Produkt in den stolzen Kinderhänden liegt.


Welches Material eignet sich?

Am einfachsten ist es zunächst feste Baumwolle zu verarbeiten. Sowohl für den Zuschnitt als auch beim Stecken und Nähen ist Baumwollgewebe leichter zu verarbeiten als viele andere Stoffe. Der Umstieg auf Jersey beispielsweise fällt dann leichter, wenn grundlegende Kenntnisse bereits erlangt worden sind.

Was brauchen wir alles?

Wie beim Nähen der Großen auch, gibt es eine Grundausstattung, die für den Anfang sinnvoll ist. (Nähzubehör: 10 Basics). Darüber hinaus gibt es natürlich alle möglichen Helferlein, die das Nähen versüßen aber nicht zwingend notwendig sind. (10 Nähhelfer auf die du nicht mehr verzichten möchtest!)


Brauchen wir eine Nähkurs?

Jein. Ein Nähkurs ist immer eine tolle Sache. Zum einen, weil man viel lernen kann, zum anderen, weil man mit Gleichgesinnten in Kontakt kommt und das Nähen in Gemeinschaft noch viel mehr Spaß macht als allein. Insofern würde ich persönlich immer zum Kurs raten. Wenn aber eine Person imUmfeld Kenntnisse hat und das Kind anleiten kann, dann ist ein Nähkurs nicht unbedingt notwendig. Meine Erfahrung hat mich aber gelehrt, dass Kinder oft viel selbstbewusster Neues ausprobieren, wenn direkte Bezugspersonen nicht daneben stehen. Letztlich würde ich es anbieten und dem Kind überlassen, wie es lernen möchte. Optimal ist eine Verbindung aus beidem: Kurs und liebevoller Betreuung zu Hause.


Hast du weitere Fragen oder Anregungen zum Thema?
Wie sind deine Erfahrungen dazu?

Es grüßt dich herzlichst, Nina.


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