Schnittmuster selbst gradieren.

Manchmal ist ein Schnittmuster nicht in der richtigen Größe verfügbar. Vielleicht ist das Kind inzwischen rausgewachsen oder eine Gradierung gibt es in der gewünschten Größe nicht. Eine oft beobachtete Vorgehensweise, die ich dir nicht empfehlen kann, ist rundherum eine "großzügige Nahtzugabe" zu verwenden. Genauso wenig hilfreich ist es, ohne Nahtzugabe zu arbeiten. Im folgenden erkläre ich dir, warum das schwierig ist und was du statt dessen ganz einfach tun kannst.

Die Sache mit den Sprungwerten: schau dir mal einen Schnittmusterbogen an, auf dem verschiedene Größen zu sehen sind. Dir wird auffallen, dass die Abstände zur nächsten Größe an verschiedenen Stellen des Schnittteils auch unterschiedlich groß ausfallen. Das hat damit zu tun, dass Konfektionsgrößen sich nicht proportional verändern. Ein Beispiel: Ein Kleid in der Größe 32 ist auf die gleiche Körperhöhe ausgelegt, wie eines der Größe 46. Die Weitenmaße verändern sich allerdings stark. Das bedingt schonmal, dass es nicht sinnvoll sein kann, ringsherum einfach zwei Zentimeter zuzugeben. Denn dann würde das Kleid viel zu lang. Ein wenig jedoch verändert sich die Länge schon. Denn ein Kleid in Größe 46 braucht unter anderem mehr Platz im Brustbereich, nicht nur in der Weite, hier dann auch in der Länge. Auch andere Maße verändern sich unterschiedlich. Die Taille verändert sich nicht proportional zur Hüfte, die Armweite verhält sich anders als die Armlänge, die Schultern brauchen Platz aber dürfen nicht hängen und so weiter. Du siehst also, einfach einen Zentimeter zugeben ist nicht so eine gute Idee, wenn es später tatsächlich passen soll. Bei einfachen Sweatshirts mag das kaum auffallen, bei einer Tunika mit guter Passform aber lohnt es sich, die sogenannten Sprungwerte einzuhalten. Jetzt zeige ich dir wie. Bereit?

Alles was du brauchst ist ein Geodreieck, einen Stift, ein Schnittmuster mit mehreren Größen und ein bisschen Zeit.

Naehtipp-2-Gradieren2.png

Nimm dir einen Eckpunkt im Schnittmuster und verbinde alle Größenpunkte mit einer Geraden. Nun miss den Abstand zwischen zwei Größen aus. Übertrage diesen Abstand nach Außen, wenn du eine größere Größe gradieren möchtest. Wenn du eine kleinere Größe erhalten willst, musst du natürlich nach Innen übertragen. Das Vorgehen funktioniert in beide Richtungen gleich.

Wiederhole dieses Vorgehen bei allen Eckpunkten im Schnittmuster und setze zusätzliche Punkte in Rundungen.

Naehtipp-2-Gradieren3.png

Anschließend kannst du eine neue Umrandung durch die gemessenen Punkte und Geraden ziehen. Et voila, dein Schnittmuster in der Wunschgröße ist fertig. Es ist auch möglich zwei Größen auf diese Weise zu überspringen, dazu verdoppelst du die Beträge entsprechend. Mehr als zwei Größen würde ich allerdings nicht auf diese Weise gradieren, denn auch die Sprungwerte verändern sich nicht dauerhaft proportional innerhalb aller Größen. Aber zwei Schritte sind erfahrungsgemäß problemlos möglich.

Viel Spaß beim Nacharbeiten!
Es grüß dich herzlich, Nina.


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